Managementkrise: Alex Widmer
Weiteres Opfer: Chef der Privatbank Julius Bär, begeht Selbstmord
3.12.2008 14:00 Letzte Verwaltungsratssitzung im Jahr 2008
4.12.2008 Alex Widmer ist tot
Ein neues Opfer der Managementkrise ?
Neben dem deutschen Unternehmer Adolf Merckle,
dem französischen Investmentberater Rene-Thierry Magon de la Villehuchet,
dem dänischnen Banker Christen Schnor,
dem amerikanischen Immobilienhändler Stevan Good
um nur einige bekannte Opfer zu nennen,
hat sich nun auch der Chef der renommierten Schweizer Privatbank Julius Bär das Leben genommen.
Das neue Opfer hiess Alex Widmer und war der erfolgreichste Privatbanker der Schweiz. Wie kein anderer hatte er ein goldenes Händchen für die Finanzmärkte und wurde für seine Intuition und Kenntnis bewundert.
Als hoch gebildeter Gesprächspartner und begnadeter Private Banker, spielte er die Klaviatur der betuchten Kundschaft wie kein anderer. Sein "stets fast auf Zopflänge getragenen, grauen, zurückgekämmten Haar glich eher einem spanischen Edelmann." Meint das Handelsblatt.
Widmer galt als unbedingter Optimist und Macher, der an den Erfolg aus eigener Kraft glaubte. So musste das Stoppen der Expansionsstrategie, für die er vor drei Jahren zur Julius Bär Gruppe geholt worden war, wohl als weitere persönliche Niederlage empfunden werden. Zuvor wurde er fast nach 20jähriger Karriere bei Credit Suisse abrupt aus der Konzernleitung auf das Abstellgleis als Senior Advisor gestellt und von Walter Berchthold als Leiter des Private Banking von Credit Suisse ersetzt.
Offensichtlich ist das Umfeld in Banken wenig dazu geeignet, mentale Schwierigkeiten von Mitarbeitern frühzeitig zu erkennen und abzufangen.
Menschliche Befindlichkeiten haben zu wenig oder keinen Platz und werden "totgeschwiegen".
Führungskräfte und Mitarbeiter in Top Positionen müssen top fit sein und als Vorbild für andere fungieren; sonst droht das Abstellgleis. Diesem immensen Druck können speziell ältere Mitarbeiter schnell erliegen.